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Geschichte Prags

Die Anfänge

Zu Beginn des 9. Jahrunderts siedelten sich die Premysliden, das älteste tschechische Herrschergeschlecht, auf dem Prager Stadtgebiet an und begannen mit dem Bau der Prager Burg auf dem Hradschin. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Ansiedlung um die Burg zu einem immer wichtigeren Zentrum des Landes und wurde 973 schließlich Bistum. Um 1070 verlegte der damalige Fürst Vratislav II. seinen Herrschaftssitz auf die neu gebaute Vyšehrad-Burg auf der gegenüberliegenden Moldauseite. Geschützt durch die beiden mächtigen Burgen entwickelte sich eine Handelsmetropole, die ausländische und einheimische Handwerker und Kaufleute anzog. Besonders attraktiv war die Stadt auch durch ihre Lage an einer Furt durch die Moldau. Die zu Ende des 12. Jahrhunderts erbaute steinerne Judith-Brücke verband die Kleinseite mit der heutigen Altstadt und die beiden Siedlungen erhielten im 13. Jahrhundert die Stadtrechte.

Goldene Zeiten unter Karl IV.

Der Aufstieg zur Hauptstadt ging nun unaufhaltsam voran: Prag wird Residenzstadt der böhmischen Herrscher und 1333 zur Residenz Karl IV., dem späteren Kaiser des heiligen Römischen Reiches. Die Prager Burg wird nach einem Brand wiederaufgebaut, neue Siedlungen werden gegründet, alte befestigt und mit Stadtrechten versehen. Nachdem Prag 1344 auch Erzbistum geworden war, begann man mit dem Bau des Veithsdoms. 1348 gründete Karl IV. die erste mitteleuropäische Universität. Die alte Judith-Brücke wurde nun durch die heutige Karlsbrücke ersetzt und der Bau der Neustadt in Angriff genommen. Nach dem städtebaulichen und kulturellen Aufschwung zu einer der bedeutensten Städte Europas verlor die Stadt ihren Glanz, nachdem Karls Sohn Wenzel IV. von den Kurfürsten abgesetzt wurde und Prag nicht mehr Herrschaftssitz war.

Erster Prager Fenstersturz

Nachdem Wenzels Bruder Sigismund die Amtsgeschäfte in die Hand genommen hatte und den Kirchenreformer Jan Hus zum Tode verurteilte, braute sich 1419 in Prag ein Aufstand seiner Anhänger, der Hussiten, zusammen. Sie stürmten das Rathaus, warfen sieben Ratsherren aus dem Fenster und zogen danach plündernd durch die Stadt, zerstörten dabei viele Kirchen. Daraus entwickelte sich ein Krieg zwischen Kreuzzüglern und Hussiten, der bis 1434 andauerte.

Die Habsburger

1526 wurden die Habsburger die neuen Herrscher im Heiligen Römischen Reich. Aufstände der Stände gegen Ferdinand I. schlug er nieder und beschnitt die Privilegien Prags massiv. Unter Rudolf II. begann in Prag eine erneute Blütezeit. Die Stadt wurde wieder Kaiserresidenz und zum Schmelztiegel verschiedenster Kulturen, die sich nun nach den Hussitenkriegen wieder ansiedelten.

Zweiter Prager Fenstersturz und Dreißigjähriger Krieg

Der Nachfolger Rudolfs II., sein Bruder Matthias, forderte die religiöse Seite abermals heraus, als er die den Protestanten zugesicherte Relionsfreiheit verletzte. Am 23.05.1618 stürmten daraufhin protestantische Adlige die Prager Burg und warfen zwei Statthalter aus dem Fenster. Daraus entwickelte sich der blutigste Krieg Europas in der Neuzeit, der 1620 in der Schlacht am Weißen Berg zwischen der Katholoschen Liga und der protestantischen Union gipfelte. Nachdem die Katholiken den Sieg davongetragen hatten, marschierten die Habsburger in Prag ein. Protestanten wurden vertrieben und enteignet, Böhmen entgültig dem Habsburgerreich eingegliedert und ihr Herrschaftanspruch durch den Bau barocker Kirchen und Paläste demonstriert.

Wiedererwecktes Nationalbewusstsein

Nachdem sich die einzelnen Städte Altstadt, Neustadt, Kleinseite und Hradschin zur heutigen Stadt Prag zusammenschlossen, begann im 19. Jahrhundert die Zeit der "Erwecker". Historiker, Literaten und Sprachwissenschaftler schufen durch ihre Werke ein neues tschechisches Bewusstein, das unter der Herrschaft der Habsburger fast verloren gegangen war. Das Prager Nationalmuseum sowie das Nationaltheater sind bürgerliche Prachtbauten aus dieser Zeit, die den neu erwachten Nationalstolz erkennen lassen. Im Zuge der Industrialisierung expandierte Prag weiterhin und wurde zum Zentrum für Künstler, Literaten und Intellektuelle.

1. und 2. Weltkrieg

Die Tschechen traten nur widerwillig an der Seite Österreich-Ungarns in den Kampf ein und plädierten für Unabhänhigkeit. 1918 wurde die Tschechoslowakei unabhängige Republik mit Prag als Hauptstadt. Mit der Machtergreifung Hitlers 1938 in Deutschland begann auch für die Tschechen ein dunkles Kapitel. Die zwei führenden europäischen Mächte Frankreich und England ließen Hitlers Anektierung des Sudetenlandes und des Protektorats Böhmen und Mähren zu. Während des Krieges wurde Prag besetzt und die Bevölkerung unterdrückt, tschechische Juden verfolgt und umgebracht. Nach dem Aufstand der Prager am 05.05.1945 marschierte die Russische Armee in Prag ein. Mehr als zwei Mill. Deutsche wurden daraufhin vertrieben.

Kommunistisches Prag

1948 kam die Kommunistische Partei durch einen Putsch entgültig an die Macht. Es folgte eine Phase der Unterdrückung und Stalinisierung, die bis in die 60er Jahre anhielt. Der Versuch einer friedlichen Revolution (Prager Frühling) wurde 1968 durch die Intervenierung fünf Warschauer-Pakt-Staaten verhindert. Daraufhin gab es wieder Repressionen, die staatliche Kontrolle wurde verstärkt. Die Studentendemonstrationen im November 1989 waren dann der Beginn der Samtene Revolution. Es gelang dem Volk durch die friedlichen Demonstrationen einen gewaltfreien Umsturz und das Ende der kommunistischen Regierung herbeizuführen.

Prag heute

Erster Staatspräsident wurde danach Václav Havel. 1993 teilte sich die Tschechoslowakei auf in die unabhängigen Staaten Tschechien und Slowakei. Heute ist Prag wie seit Jahrhunderten wirtschaftliche und kulturelle Metropole Tschechiens. Neben dem Tourismus zählt die Filmindustrie zu den bedeutensten Wirtschaftszweigen. Mit ihren zahlreichen Museen, Theatern und dem lebhaften Nachtleben lockt die Stadt Studenten, Touristen und Einheimische. Die Prager Altstadt ist seit 1992 UNESO-Weltkulturerbe und zieht einen durch die verschiedenen Baustile der malerischen Häuser und die eindrucksvollen Kirchen in den Bann. Durch die jahrhundertealte Geschichte, die in den gemütlichen Gassen überall spürbar ist, die träge vor sich hin rauschende Moldau mit ihren romantischen Brücken und die zwei mächtigen Burgberge oberhalb der Stadt fühlt man sich nicht selten wie direkt ins Mittelalter zurückversetzt.

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